Sonntag, Januar 25, 2026

Digitaler Nachlass – Wie Sie Online-Vermögenswerte richtig regeln

Der digitale Nachlass wird immer wichtiger. Unser Ratgeber zeigt, wie E-Mail-Accounts, soziale Netzwerke und Kryptowährungen vererbt werden können und welche rechtlichen Grundlagen für Erben gelten. Erfahren Sie alles Wissenswerte über digitale Vermögenswerte und Vorsorgemaßnahmen.

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Erben in der digitalen Welt: eine neue Herausforderung

Mit dem Fortschreiten der Digitalisierung wird auch der digitale Nachlass zunehmend wichtiger. Was früher ausschließlich Briefe, Immobilien und Bankkonten betraf, umfasst heute auch E-Mail-Accounts, soziale Medien, Streaming-Abonnements, Cloud-Speicher und Kryptowährungen. Für Erben stellt sich die Frage, wie sie auf digitale Vermögenswerte zugreifen können – und wie Erblasser frühzeitig für Klarheit sorgen sollten.

Was gehört zum digitalen Nachlass?

Der digitale Nachlass umfasst sämtliche Online-Daten und Vermögenswerte, die einem Verstorbenen zugeordnet werden können. Dazu zählen E-Mail-Konten, Profile in sozialen Netzwerken, digitale Abonnements und Streaming-Dienste, gespeicherte Daten in Clouds sowie Kryptowährungen. Diese digitale Identität ist nicht nur persönlich bedeutsam, sondern kann auch erheblichen finanziellen Wert darstellen.

Rechtliche Grundlagen und Unsicherheiten

Im deutschen Erbrecht gilt das Prinzip der Gesamtrechtsnachfolge: Der gesamte Nachlass, inklusive digitaler Daten, geht auf die Erben über. Doch während Vermögenswerte wie Immobilien klar geregelt sind, stellen Online-Konten oft eine rechtliche Grauzone dar. Viele Plattformbetreiber berufen sich auf Datenschutzbestimmungen oder eigene Nutzungsbedingungen und verwehren den Zugriff. Für Erben bedeutet das: Sie müssen nicht nur rechtliche Ansprüche kennen, sondern auch praktische Wege finden, diese durchzusetzen.

BGH-Urteil: Meilenstein für digitale Erbenrechte

Ein bedeutendes Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 2018 hat die Position der Erben gestärkt. Der BGH entschied, dass der Zugang zu Facebook-Accounts eines Verstorbenen Teil des Erbrechts ist – private Nachrichten eingeschlossen. Damit wurde klargestellt: Digitale Inhalte sind ebenso vererbbar wie Briefe oder Tagebücher. Dennoch bleibt der Zugang in der Praxis mühsam, denn nicht jeder Plattformanbieter setzt diese Rechtsprechung reibungslos um.

So können Erblasser vorsorgen

Eine aktive Nachlassplanung ist im digitalen Bereich unerlässlich. Wer seinen digitalen Nachlass regeln möchte, hat mehrere Möglichkeiten. Eine digitale Nachlassverfügung legt fest, wer Zugriff auf welche Konten erhalten soll und was mit einzelnen Accounts geschehen soll. Ergänzend dazu empfiehlt sich die sichere Hinterlegung von Zugangsdaten – etwa in einem verschlüsselten Dokument oder bei einem Notar. Plattformen wie Facebook oder Google bieten außerdem spezielle Funktionen, etwa das Einrichten eines Gedenkkontos oder die Benennung eines Nachlasskontakts. Digitale Vermögenswerte wie Kryptowährungen sollten explizit im Testament erwähnt und klare Anweisungen für den Zugang zu Wallets und privaten Schlüsseln hinterlegt werden.

Wie Erben den digitalen Nachlass ordnen

Nach einem Todesfall müssen Erben zunächst herausfinden, welche digitalen Konten und Vermögenswerte existieren. Hinweise können sich aus Bankunterlagen, Kreditkartenabrechnungen oder gespeicherten Passwörtern ergeben. Fehlen Zugangsdaten, sollten Erben Anträge auf Kontozugang bei den jeweiligen Anbietern stellen und sich auf das BGH-Urteil berufen. Gleichzeitig ist ein sensibler Umgang mit personenbezogenen Daten wichtig: Nicht alle Informationen müssen gespeichert oder weiter genutzt werden. Erben sollten bewusst entscheiden, welche Accounts gelöscht und welche erhalten bleiben.

Steuerliche und internationale Besonderheiten

Digitale Vermögenswerte wie Kryptowährungen unterliegen der Erbschaftsteuer und müssen bei der Steuererklärung korrekt angegeben werden. Besonders knifflig wird es, wenn Online-Dienste von Anbietern betrieben werden, die im Ausland sitzen. Unterschiedliche nationale Gesetze können den Zugriff zusätzlich erschweren und im Einzelfall juristische Unterstützung erfordern.


Tipps der Redaktion: So regeln Sie Ihren digitalen Nachlass richtig

  • Erstellen Sie eine digitale Nachlassverfügung: Halten Sie schriftlich fest, wer welche Zugriffsrechte erhalten soll.
  • Hinterlegen Sie Ihre Zugangsdaten sicher: Nutzen Sie verschlüsselte Dokumente oder vertrauenswürdige Verwahrstellen.
  • Nutzen Sie Nachlassfunktionen von Online-Diensten: Viele Plattformen bieten eigene Möglichkeiten, den digitalen Nachlass zu verwalten.
  • Regeln Sie Kryptowährungen im Testament: Private Schlüssel sind unerlässlich – ohne sie sind digitale Vermögenswerte meist verloren.
  • Sprechen Sie mit Ihren Angehörigen: Transparente Kommunikation erleichtert im Ernstfall die Nachlassabwicklung erheblich.

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